Japans neue Erben: Mehr Hunde als Kinder – und wer jetzt verdient

Japans neue Erben: Mehr Hunde als Kinder – und wer jetzt verdient

Tokio – In Japan gibt es bald mehr Hunde als Kinder. Keine Übertreibung. Die Zahlen sind da.

Laut Japan Pet Food Association leben in Japan rund 15,7 Millionen Hunde und Katzen. Die Zahl der unter 15-Jährigen liegt bei 13,3 Millionen. Macht rund 2,4 Millionen mehr Vierbeiner als Zweibeiner in dieser Altersgruppe. Die Kinderzahl sinkt zum 45. Mal in Folge. Die Geburtenrate liegt bei 1,14 – einer der niedrigsten Werte weltweit.

Der Trend heißt "Pet-Humanisierung"

Die Soziologin Barbara Holthus vom Deutschen Institut für Japanstudien nennt es die "Multi-Spezies-Familie". Haustiere übernehmen Rollen, die früher über einen größeren Haushalt verteilt waren. Emotionale Bindung. Gesellschaft. Ersatz für fehlende Kinder? Vielleicht. Aber vor allem: ein neues Familienmodell.

In Japan werden Tiere zunehmend als "Fur Babies" betrachtet. Nicht als Nutztier, nicht als Statussymbol – als vollwertiges Mitglied. Und das verändert Märkte.

Wer umdenkt, gewinnt

Unicharm stellt Babywindeln her. Klingt nach einem sicheren Geschäft. In Japan nicht mehr.

Das Unternehmen erzielte 2025 bereits 17 Prozent seines Umsatzes mit Tierprodukten. Die Gewinnmarge liegt bei 15,4 Prozent – deutlich über dem Personal-Care-Bereich mit 10,7 Prozent. Wer auf Hunde setzt, verdient besser.

Lucky Industries, der älteste Hersteller von Baby-Tragen Japans, brachte 2022 eine Linie von Hundetragen auf den Markt. Airbuggy, bekannt für hochwertige Kinderwagen, verzeichnet einen massiven Anstieg bei seinen spezialisierten Hundewagen.

Der Kinderwagen wird zum Hundewagen. Die Marge freut sich.

Der Luxusmarkt brummt

Ein Kleidchen für einen Hund kostet bei Marken wie Mimimerry schnell zwischen 50.000 und 80.000 Yen – etwa 270 bis 430 Euro. Das sind Preise, die man sonst von menschlicher Mode kennt.

Der gesamte Pet-Care-Markt in Japan erreichte 2025 ein Volumen von 880 Milliarden Yen (ca. 5,4 Milliarden US-Dollar). Zum Vergleich: 2020 waren es noch 689,6 Milliarden.

Besonders stark wachsen Premium-Segmente. Der Markt für Pet Daycare und Lodging soll bis 2034 auf 252 Millionen US-Dollar wachsen – eine jährliche Steigerung von 6,5 Prozent. Pet-Hotels sogar mit 10,6 Prozent.

Ein Wirtschaftsfaktor, der bleibt

Japan zeigt: Der Wandel zur Haustiergesellschaft ist kein kurzfristiger Trend. Er ist ein fundamentaler kultureller Wandel. Die Demografie zwingt Unternehmen umzudenken. Wer es tut, erntet die Früchte.

In Tokios Edelbezirk Ginza kostet eine Übernachtung im "Doggy Suite Hotel" mehr als im durchschnittlichen Business-Hotel für Menschen. Kein Witz. Das ist die Realität eines Landes, in dem die Erben auf vier Pfoten kommen.  


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